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Gastroenterologie
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Magen-Darm-Erkrankungen und Eisenmangel mit oder ohne Anämie

„Magen-Darm-Erkrankungen und Eisenmangelanämie – erfahren, wann darauf zu achten ist“

Eisenmangelanämie (IDA) bei Magen-Darm-ErkrankungeN

Es gibt mehrere Magen-Darm-Erkrankungen und -Faktoren, die zu einem erhöhten Risiko von Eisenmangel führen. Die Eisenaufnahme über die Nahrung erfolgt hauptsächlich im Duodenum und oberen Jejunum, so dass eine Funktionsstörung dieser Strukturen zu einer Malabsorption des Eisens und Eisenmangel führen kann. Der Magen-Darm-Trakt ist ausserdem eine häufige Stelle von chronischem Blutverlust, der die Eisenspeicher des Körpers erschöpfen kann.

Zu den Magen-Darm-Erkrankungen und -Faktoren, die zu einem erhöhten Risiko von Eisenmangelanämie führen, gehören Magengeschwüre, gastrointestinale Krebserkrankungen und die chronische Anwendung von nichtsteroidalen Entzündungshemmern (NSAR) sowie die chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED), Zöliakie22 und bariatrische Operationen.2

CED

Als chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) werden Colitis ulcerosa und Morbus Crohn bezeichnet, zwei Autoimmunerkrankungen, die eine Entzündung des Magen-Darm-Trakts bewirken. Colitis ulcerosa ist auf den Darm (Dickdarm) begrenzt, Morbus Crohn kann dagegen jeden Teil des Magen-Darm-Trakts vom Mund bis zum Anus betreffen.3

Ein Hauptsymptom der CED ist die Darmblutung, die bei Patienten mit Morbus Crohn als okkulter Blutverlust auftritt und bei Colitis ulcerosa als sichtbare Blutung in Erscheinung treten kann.4

Eisenmangel bei CED kann auch durch Entzündung verursacht werden, die die Eisenaufnahme aus der Nahrung verringern kann, sowie durch orale Eisenergänzungsmittel (durch erhöhte Hepcidinfreisetzung).5

Im Durchschnitt leiden 45 % der Menschen mit CED an Eisenmangel.6

Zöliakie

Zöliakie, auch als glutensensitive Enteropathie bezeichnet, ist eine entzündliche Erkrankung des Dünndarms.7

Zöliakie ruft eine chronische Entzündung innerhalb des Dünndarms hervor, wenn Gluten aufgenommen wird. Dies führt zu villöser Atrophie und Abflachung der Mukosa.7,8 Dies wiederum kann die Aufnahme von Eisen und anderen Nährstoffen wie Folsäure und Vitamin B12 aus der Nahrung reduzieren.7,9 Bei 25-54 % der Patienten mit Zöliakie kommt es auch zu okkultem Blutverlust aus dem Magen-Darm-Trakt.10

Die Prävalenz der Eisenmangelanämie bei Menschen mit Zöliakie beträgt ca. 10-15 %.11

Diese Prävalenz kann bis auf 32-69 % ansteigen, wenn wir beide Erkrankungen, Eisenmangel und Anämie, betrachten.22

Bariatrische Operation

Die bariatrische Operation dient dem Gewichtsverlust bei adipösen Patienten. Sie umfasst Magenband, Magenbypass, biliopankreatische Diversion und Duodenal Switch. Mit jeder Art von Magenoperation ist ein unterschiedliches Eisenmangelrisiko verbunden. Generell führen Magenbypass-Operationen mit grösserer Wahrscheinlichkeit zu Eisenmangel als Magenbänder.2

Sowohl Magenbänder als auch Magenbypass reduzieren die Produktion von Magensäure, die für die Umwandlung von Nicht-Hämeisen (d. h. Eisen aus anderen Quellen als Fleisch, wie z. B. Gemüse, angereicherte Getreideprodukte usw.) in eine absorbierbare Form erforderlich ist.12 Magenbypass-Operationen können auch dadurch Malabsorption verursachen, dass sie Darmabschnitte ausschliessen, in denen normalerweise die Absorption erfolgt.13 Darüber hinaus reduzieren manche Patienten ihren Verzehr einiger hoch eisenhaltiger Nahrungsmittel, insbesondere von rotem Fleisch, weil sie sie nicht mehr vertragen können.12

Bei fünfzig Prozent der Personen, bei denen eine Magenbypass-Operation durchgeführt wurde, tritt innerhalb eines Jahres nach der Operation Eisenmangel auf. Dieser Wert erhöht sich über einen Zeitraum von 4-12 Jahren nach der Operation (je nach Art der Operation) auf bis zu 62 %.14

Sonstige gastrointestinale Blutungsstörungen

Alle sonstigen Ursachen innerer Blutungen innerhalb des Magen-Darm-Trakts können ebenfalls zu Eisenmangel führen. Bei Patienten mit Eisenmangelanämie sind z. Peptische Ulzeration, einschliesslich Zwölffingerdarmgeschwüren, Megengeschwüre und Anastomosengeschwüre, zu finden.15 Angiodysplasie und Kolorektalkarzinome sind weitere Ursachen von Magen-Darm-Blutungen.16,17,23

Bedeutung der Behandlung von Eisenmangelanämie bei Patienten mit Magen-Darm-Erkrankungen

Eisenmangel ohne Anämie geht mit Fatigue,23 Restless-Legs-Syndrom,24 gestörter körperlicher Leistungsfähigkeit,25 kognitiver Funktionsstörung,26,27 Haarverlust28 und Deregulierung der Körpertemperatur29 einher. Wenn Eisenmangel zur Eisenmangelanämie fortschreitet, können als zusätzliche Symptome Kopfschmerzen, Schwindel, Tachykardie und Dyspnoe auftreten.18

Die häufigste systemische Komplikation bei CED-Patienten ist Anämie.19, 18, 20, 21 Anämie hat bei CED erhebliche negative Auswirkungen:20

  • Beeinträchtigung der Lebensqualität (physisch, emotional, kognitiv) und der Arbeitsfähigkeit
  • Häufigere Hospitalisation
  • Erhöhte Behandlungskosten

Aus diesem Grund empfiehlt die European Crohn‘s and Colitis Organisation (ECCO) in ihren aktuellen Leitlinien, den Eisenstatus bei CED-Patienten zu kontrollieren und einen vorliegenden Eisenmangel konsequent zu behandeln.20

Gastroenterologie: Eine orale versus intravenöse Eisensubstitutionstherapie bewirkt bei Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen eine deutliche Veränderung der Darm-Mikrobiota und des Darm-Metaboloms.30

Referenzen

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  5. Rayan Bou-Fakhredin, Racha Halawi, Joseph Roumi & Ali Taher (2017): Insights into the Diagnosis and Management of Iron Deficiency in Inflammatory Bowel Disease, Expert Review of Hematology, DOI: 10.1080/17474086.2017.1355233.
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